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Zinsswap

Mittwoch, 28. Januar 2009

Derivate sind vom Grundgeschäft losgelöste Instrumente und stehen in direktem Zusammenhang mit der Zinsstrukturkurve. Zur Familie der Derivate zählen Swaps und Optionen (Hinweis: Optionen werden in diesem Text nicht weiter behandelt). In der Praxis trifft man am häufigsten auf Swaps. Sie werden seit 1981 am Markt eingesetzt, mit inzwischen höchstem Marktanteil am Weltzinsmarkt*. Regierungen sind die größten Nutzer dieser Instrumente.

Definition von Zinsswap (EZB Monatsbericht Mai 2000):
"Ein Swap ist ein Kontrakt, bei dem zwei Parteien den Austausch regelmäßiger Zahlungen für einen im Voraus festgelegten Zeitraum vereinbaren. Ein normaler Zinsswap beinhaltet beispielsweise den Austausch einer Reihe von Zahlungen zu einem bestimmten festen (langfristigen) Zinssatz für einen Nominalwert gegen eine Reihe von Zahlungen zu einem variablen kurzfristigen Zinssatz für denselben Nominalwert. Der Kapitalbetrag an sich wird jedoch nicht ausgetauscht, das heißt, der Kapitalbetrag ist beim Ausfall des Partners bei der Swap-Vereinbarung nicht verloren. Swaps sind nicht standardisierte Kontrakte und werden im Allgemeinen außerbörslich gehandelt, in der Regel über eine Bank oder ein anderes Finanzinstitut, das als Händler fungiert."

Ein Zinsswap oder Zinstauschgeschäft ermöglicht dem Kunden die Entscheidung über Zinsbindung und Kapitalaufnahme voneinander zu trennen. Um feste Zinsen zahlen zu können müsste man nicht zwangsläufig z.B. variable Kredite zurückführen und einen Festsatzkredit aufnehmen - ein Zinsswap ist losgelöst von der Kreditaufnahme und braucht nur gewisse Information über das zugrundelegendes Geschäft. Der Zinsswap dient nicht der Liquiditätsschöpfung, vielmehr der Steuerung der Zinsposition. Der Swap kostet anfänglich kein Geld. Er kann gleichermaßen auf der Kredit- wie Anlageseite platziert werden.

Die Grundform eines Swaps wird als “plain vanilla swap” oder einfacher Swap bezeichnet, indem eine variable Zahlung gegen eine schon heute bekannte feste Zahlung ausgetauscht wird. Die variable Zahlung des Swaps ist ein Geldmarktsatz, der als Referenzzinssatz bezeichnet wird (häufig der 1-, 3- oder 6-Monats-Euribor oder Libor). Der variable Satz wird jeweils zwei Bankarbeitstage vor Beginn einer jeden Zinsperiode neu festgelegt (z.B. Euribor-Fixing). Der Zinssatz der festen Seite des Swaps wird bei Abschluss des Geschäftes für die gesamte Laufzeit festgelegt. Mathematisch müssen beide Zahlungsströme - Zahler und Empfänger - gleich viel wert sein (evtl. Bankmarge wird nicht berücksichtigt). Auf der variablen Seite ist anfänglich nur der erste (vor zwei Bankarbeitstagen gefixte) variable Zinssatz bekannt, die darauffolgenden Sätze werden für die Swapwertberechnung mit Hilfe von Terminzinsen ermittelt.

Der Swap als Tauschgeschäft verursacht kleine Nettobeträge. Denn es handelt sich nicht um einen Tausch: 1 Mio. EUR gegen 1 Mio. EUR, sondern: Zinssatz gerechnet auf 1 Mio. EUR gegen einen Zins gerechnet auf 1 Mio. EUR. Der Swap beinhaltet somit keinen Nominaltausch (Ausnahme: Währungsswaps).

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Als Swap ist nicht nur der einfache Zinsswap (Prinzip: zahle fest, empfange variabel) zu verstehen, sondern ein ganzes Spektrum an Swaplösungen – neben Zinsen auch Koppelungen an Währungen, Rohstoffe, Aktien, Kreditrisiko oder Hedge Fonds, in einer Losgröße ab 0.5 bis 1 Million EURO. All diesen Lösungen ist gemeinsam, dass nicht irgendwann tatsächlich „Schweinebäuche“ geliefert werden. Denn es handelt sich dabei durchgängig um rein monetäre Transaktionen (siehe Grafik unten).

Wie alle Finanzmarktinstrumente haben Zinsswaps einen Marktwert. Dieser Wert wird zwischen dem Abschluss und der Fälligkeit ungleich Null sein. Aus der Veränderung der Volatilität, nicht bei allen und des Referenzpreises (bzw. der Referenzpreise) wird entweder ein positiver oder negativer Marktwert errechnet. Nur im Falle einer vorzeitigen Auflösung der Zinsswaptransaktion wird aus dem mathematisch ermittelten Buchwert eine tatsächliche monetäre Ausgleichszahlung. Ein Marktwert wird allerdings nicht immer mit dem Auflösungspreis übereinstimmen.

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*- Der grösste Derivatemarkt ist weiterhin der Markt für Währungstransaktionen

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