Grundlagen der Diesel-Absicherung, Teil 2
Mittwoch, 18. März 2009Im Teil 1 haben wir einen kurzen Überblick über die Funktionsweise und Dynamik der Rohstoffmärkte gegeben.
Die Preise auf den Rohstoffmärkten „schlafen“ nie. Insbesondere Rohölpreisveränderungen auf dem Kassamarkt können durch unterschiedliche Einflussfaktoren ausgelöst werden:
- Angebot und Nachfrage. Im 3. – 4.Q. 2008 fiel der Rohölpreis von 149USD auf 32USD/Barrel wegen eines starken Nachfragerückgangs.
- Politische Risiken. Die Krise im Mittleren Osten wird hier häufig als Beispiel genannt.
- Wetter. Orkane in der Bucht von Mexiko lassen Preise ansteigen, da kurzfristig kein Rohöl gefördert werden kann.
- Lagerbestände. Hohe Lagerbestände in Cushing, Oklahoma (der Standort eines der bedeutendsten Öllager der USA), haben im 1Q. 2009 den Rohölpreis der Sorte WTI stark fallen lassen
- Konjunktur. Die Erwartung einer schwächeren oder stärkeren Nachfrage beeinflusst den Rohölpreis auf mittlerer Sicht.
- Sonstige Faktoren. Fracht, Produktionskosten, Substitutionsmöglichkeiten, technischer Fortschritt, Investitionen in neue Quellen.
Ob mittelständische und kommunale Unternehmen immer eine dezidierte Preismeinung vertreten müssen, ist kritisch zu hinterfragen. Eine Meinung zu haben, ist sicherlich kein Nachteil. Aber die schiere Menge unterschiedlicher Einflussfaktoren auf den Kassapreis überfordern sogar so manchen Rohstoff-Profi. Häufig bezieht sich die Preismeinung auf die nächstgelegenen Monate.
Wer jedoch mittelfristig Kalkulationssicherheit sucht, kann nicht mit Kurzfristmeinungen jonglieren. Der Blick auf das lange Ende der Rohstoffkurve kann in diesen Fällen sinnvoller sein, da viele der oben geschilderten kurzfristigen Preisfaktoren eher schwächere Wirkung haben und fundamentale Faktoren wie die Produktionskosten im Vordergrund stehen.
Die Argumente für eine erhöhte Kalkulationssicherheit gewinnen nach einem Blick auf die Preisprognosen eine besondere Stärke. Unten sind die Rohöl-Prognosen der verschiedenen Research-Häuser aus dem Monat Januar 2009 (über Reuters-Poll veröffentlicht) graphisch dargestellt. Eine Spreizung der Prognosen von im Durchschnitt 60USD/Barrel beweist, dass auch die professionellen Marktteilnehmer keine Glaskugel besitzen. Die Medianschätzung sieht eine Korrektur des Ölpreises auf ein mittelfristiges Niveau der marginalen Produktionskosten (siehe Teil 1 unseres Artikels im letzten sals.a-Research).
Grafik 1: Reuters-Rohöl-Prognosen
Die Dieselpreisveränderung ist mit dem Rohölpreis eng verbunden, somit kann eine Prognoserichtung des Rohöls auf Dieselpreistrends übertragen werden. Für unsere Analyse benutzen wir ICE GASOIL-Futures Daten (Gasoil=Mitteldestillat).[1]
Grafik 2: Brent-Preis versus Diesel- (Gasoil) Preise
Diese Prognosen und Preiszusammenhänge vor Augen, widmen wir uns dem konkreten Absicherungsvorgang.
Die Ausgangsparameter sind in untenstehender Tabelle zu finden:
Das abzusichernde Geschäft ist ein regelmäßiger Dieseleinkauf am 27. des Monats im Volumen von 100 Metrischen Tonnen pro Monat.
| Grundgeschäft | |
|---|---|
| Geschäftsbezeichnung | Kauf Diesel 100MT/Monat |
| = ca. 1.4m Liter/ Jahr | |
| Gegenpartei | Großhandel |
| Häufigkeit | 27. des Monats |
| Laufzeit | 2 Jahre |
| Geschäftsdetails in sals.a | |
| Kauf/Verkauf | Kauf |
| Preiskurve | GASOIL (deutsch: Diesel) |
| Menge | 100 MT |
| Lieferhäufigkeit | monatlich |
In dem Bild ist das Grundgeschäft in sals.a in USD/MT und auch mit künftigen approximierten Tankstellenpreisen in Euro je Liter (inkl. Steuern unter Annahme eines konstanten Steueranteils) aufgelistet.
Die approximierten künftigen Tankstellenpreise schwanken, wenn sich die Börsenpreise und/oder der EUR/USD Wechselkurs verändern. Ferner sind die Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer und der Deckungsbeitrag im Zeitablauf nicht stabil (siehe www.mwv.de). Somit kann der Bruttopreis nur bei ceteris paribus konstanten Mineralölsteuersätzen, konstanten Mehrwertsteuersätzen und konstanten Deckungsbeiträgen angegeben werden.
| Mineralölsteuer (inkl. Ökosteuer) | Deckungsbeitrag* |
|---|---|
| € 0,4704 | € 0,15 |
Quelle: www.mwv.de, www.ebv-oil.de
* beinhaltet u.a. Kosten für Transport, Lagerhaltung, gesetzliche Bevorratung, Verwaltung, Vertrieb/Gewinnspanne sowie seit Jan. 2007 Kosten für Beimischung von Biokomponenten.
Grafik 3: Korrelation Brent-Öl vs. ICE Gasoil
Jedoch existiert nicht nur ein Ölprodukt, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Ölsorten. Ähnliches gilt für mittlere Destillate wie Diesel oder leichtes Heizöl. Für Tankstellenpreise gibt es keine exakten Absicherungsinstrumente. Wenn ein Grundgeschäft (wie z.B. ein Dieselkauf) abgesichert werden soll, muss zunächst ein Referenpreisindex ermittelt werden, der die Preisveränderung des Grundgeschäftes möglichst genau abbildet. Für Diesel sind Preisindices der ULSD 10ppm (Quelle: Platts) und/oder ICE Gasoil (Quelle: ICE Exchange). Für unser Beispiel benutzen wir ICE Gasoil, da eine hohe Korrelation mit dem Tankstellenpreis vorliegt und die Preise, im Unterschied zu Platts, transparent auf der Börseninformationsseite für alle Interessenten einsehbar sind.
Auf dem Weltmarkt wird Diesel (=GASOIL) in der Einheit USD per metric ton (MT) gehandelt. 1 Metrische Tonne = 1183 Liter (häufig wird eine Dichtereferenz von 0,850kg/l unterstellt. Dies entspricht 1MT = 1176 Liter). Damit ein näherungsweiser EURO-Tankstellenpreis ermittelt werden kann, muss weiterhin der EUR/USD-Kurs berücksichtigt werden.
Der Rohstoffswap kann folgendermaßen beschrieben werden:
- Eine rein monetäre Transaktion, in der die Zahlerbeträge gegen die Empfängerbeträge in der Vertragswährung verrechnet werden (sog. Netting)
- Der Nominalbetrag wird in Volumeneinheiten (Metrische Tonne) ausgedrückt und bildet die Kalkulationsgrundlage für die Ausgleichszahlung
- Eine nach ihrem Risiko/Chance-Profil symmetrische Transaktion
- Die monatliche Abrechnung des Festpreises erfolgt gegen einen dann gültigen Marktpreis (häufig Schlusskurs). Der Marktpreis entspricht dem täglichen Durchschnitt des Abrechnungsmonats (MASP)
- Der Swap hat zwischen dem Abschlusstag und der Fälligkeit, entsprechend der Referenzpreisentwicklung auf dem Weltmarkt, entweder einen positiven oder negativen Marktwert
- In der Darstellung wurden sonstige anfallende „Vertriebserträge“ der Banken nicht berücksichtigt
| Absicherungsgeschäft | |
|---|---|
| Geschäftsbezeichnung: | Rohstoffswap 2Y |
| Gegenpartei | BANK ABC |
| Abschlussdatum | 22.02.2009 |
| Starttag (Valuta) | 27.02.2009 |
| Fälligkeit | 27.02.2011 |
| Geschäftsdetails | |
| Preis | 507 USD/MT |
| Menge | 100 |
| Lieferhäufigkeit | monatlich |

Nach dem Abschluss des Rohstoffswaps finden in der Organisation der Finanzsteuerung keine gravierenden Veränderungen statt. Die Einkaufsabteilung kümmert sich weiterhin um den physischen Rohstoffbezug bei unterschiedlichen Händlern zu den günstigsten Konditionen (häufig auf Tagespreisbasis). Die Finanzabteilung wird in der Abstimmung mit der Einkaufsabteilung einen (monetären) Rohstoffswap mit der Bank abschließen. Grundlage für das Swapvolumen bildet die von der Einkaufsabteilung gemeldete Menge. In der Gesamtbetrachtung wird Kalkulationssicherheit bei hoher Flexibilität im Grundgeschäft erreicht.
Grundsätzlich sind Banken bereit, in eine Swaptransaktion ab einem Volumen von 60 MT/Monat einzutreten. Bei kleineren monatlichen Mengen kommt eine Pooling-Lösung in Frage. Hierüber lohnt ein direkter Austausch mit den Banken.- Mitteldestillate sind Ölprodukte, die bei der Raffination von Rohöl gewonnen werden. Dazu zählen leichtes Heizöl, Kerosin und Dieselkraftstoff.

