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Grundlagen der Diesel-Absicherung, Teil 1

Dienstag, 17. März 2009

„Rohstoffmärkte gönnen sich eine Auszeit“ – so lässt sich die aktuelle Ölpreisentwicklung am besten beschreiben. Dennoch sollte in der Finanzabteilung keine Pausenrunde eingelegt, sondern aktiv über das Rohstoffpreismanagement nachgedacht werden.

Testen Sie: sals.a Test -> Marktdaten ->„Rohstoffe“.

Rohstoffpreismanagement wird häufig mit einer „intelligenten“ Beschaffung gleichgesetzt. In der Tat ist die Bezugssicherung des Materials oder Kraftstoffs unerlässlich für die problemlose Produktion bzw. die Logistik. Jedoch haben operative Maßnahmen ihre Grenzen:

  • „Intelligenter“ Einkauf ermöglicht nur geringe Ersparnisse, man kann kaum den Marktpreis unterbieten
  • Sie wirken nur sehr kurzfristig; gegen langfristige Preistrends bieten Sie keinen Schutz
  • Festpreisverträge sind inflexibel und mit Laufzeiten von 9-12 Monaten kurzfristig

Ergänzend zu den Aktivitäten zur Sicherung der günstigen Beschaffung kommen Finanzinstrumente mit Kopplung an den Rohöl- bzw. Dieselmarkt zum Einsatz. Dazu wird neben der Einkaufsabteilung der Finanzbereich involviert, da Rohstoffderivate ähnlich wie die altbekannten Devisentermingeschäfte oder Zinsswaps funktionieren.

Ausgangspunkte für das Rohstoffpreisrisikomanagement sind

  • das Verständnis über die Funktionsweise der Rohstoffmärkte,
  • die Bestimmung des passenden Absicherungszeitraumes und
  • des Mindestpreises. 

Unbedingt muss hier betont werden, dass eine langfristige Rohstoffpreisabsicherung über Finanzmärkte keineswegs nur Großunternehmen offen steht. Die Transaktionsgrößen sind mittlerweile soweit gefallen, dass auch Familienunternehmen und Unternehmen des öffentlichen Sektors die Vorteile dieser Instrumente nutzen können.

Grafik 1: Diesel-Preiskurve ICE Gasoil 0.1% in USD je metrische Tonne (12.12.2008)

DieselHedging_kurve.png

Die Diesel-Preiskurve zeigt die handelbaren Marktpreise für unterschiedliche Laufzeiten (Dez.2008-2011). In der Grafik werden die Diesel-Preise vom Typ ICE Gasoil 0.1% gezeigt.[1]Es sind die sog. Rohstoffterminpreise. Man darf diese Preise nicht mit einer Prognose verwechseln. Grundsätzlich zeigt eine steigende Kurvenlage („contango“) kurzfristig gesunkene Nachfrage nach Diesel, eine fallende („backwardation“) eine angespannte Angebotssituation. Das kurze Ende der Kurve ist deutlich volatiler als die Kurvensätze ab dem Jahr 4. Auch spielen Faktoren wie Politik, spekulative Nachfrage-/Angebotsverschiebungen am langen Ende der Kurve eine geringe Rolle. Die Grafik 2 zeigt die Preisspreizung des Kassepreises (1 Monat) und des 4-jährigen Satzes von Rohöl der letzten 12 Monate. Rote Kreise sind die aktuellen Werte.

Grafik 2: Veränderung des Rohölpreises BRENT (1 Monats- versus 4 Jahres-Terminpreis)

DieselHedging_zuruckliegende.png

Das lange Ende der Rohöl- bzw. der abgeleiteten Dieselkurve zeigt grob die „marginalen Produktionskosten[2]“ aus der Rohöl-Förderung und der Raffinierung, wobei Unterschiede der Qualitäten (Brent vs. die Sorten WTI und DUBAI-Öl) hier unberücksichtigt bleiben. Die marginalen Produktionskosten liegen zurzeit schätzungsweise zwischen 60-80$/Rohöl-Barrel. Der hohe Wert reflektiert, dass über die traditionelle und kostengünstige Förderung wie die der OPEC und GUS-Staaten hinaus ein Großteil der gestiegenen Weltnachfrage nach Rohöl von neuen und fördertechnisch aufwendigeren Quellen befriedigt werden muss. Auch die gestiegenen Material- und Arbeitskosten spielen eine Rolle. Eine stark sinkende Nachfrage und der Verzicht auf eine aggressive Senkung der Öl-Förderung seitens der OPEC und der GUS-Länder könnten jedoch das lange Ende nach unten bringen.

Für die Absicherung von Dieselkäufen sollte der Zeitraum hinreichend lang gewählt werden, um möglichst nachhaltige Kalkulationssicherheit zu gewährleisten. Laufzeiten von 15-24 Monaten sollten für eine Bodensatzabsicherung angesetzt werden. Das Ziel einer solchen Absicherung: maximale Flexibilität im Einkauf bei mittelfristiger Kalkulationssicherheit. An der Frage nach dem korrekten Timing scheitern viele Sicherungspläne. Die Hoffnung auf bessere Preisniveaus ist der häufigste Grund, warum Absicherungsgeschäfte nicht getätigt werden. Als Ergebnis bleiben (nach eigenen Angaben) „konservative Kunden“ weiterhin im hochspekulativen kurzfristigen Bereich (aktuelle Volatilität des Rohöls beträgt ca. 80%!). In den meisten Fällen zeigt die Terminkurve für Rohöl bzw. für Diesel eine fallende Struktur (langfristige Preise sind niedriger als kurzfristige Preise). Aktuell wird die historisch hohe Differenz

zwischen einem langfristigen Swap-Preis (dieser wird ja für längere Zeiträume kontrahiert) und dem kurzfristigen Preis als „leicht prohibitiv“ wahrgenommen. Da die Rohstoffpreise „atmen“, kann jedoch systematisch abgesichert werden: klein anfangen und bei jedem signifikanten Fall des Langfristpreises einen weiteren Teil des Risikovolumens absichern. Dabei kann wahlweise auch der Sicherungszeitraum Schritt für Schritt verlängert werden. Ferner bieten Banken mittlerweile gut ausgestattete „Produkt-Werkzeugkästen“, um auch in besonderen Situationen eine passende Lösung finden.

Ein Diesel-Mindestpreis (ohne Mineralölsteuer, Steuern und EBV) dient als praktische Referenzgröße für die Beurteilung der Güte der Absicherung. Dieser wird im Unterschied zu Weltmarktpreisen (USD in metrischen Tonnen) aus praktischen Gründen in der Einheit EUR pro Liter ausgedrückt. Konkretes Beispiel: Ein moderner „40-Tonner“-Lkw verbraucht auf normaler Strecke ca. 30-35 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Die durchschnittliche Fahrleistung eines Lkw liegt bei ca. 10 000 Kilometern im Monat.

Rechts sind die aktuellen Weltmarktpreise für Diesel in USD pro metrische Tonne und als „Netto-Tankstellenpreise“ in EUR pro Liter[3](ohne Steueranteil) gegenübergestellt worden. Ein Lkw verbraucht somit ca. 3.500 Liter pro Monat. Aktuell (DEC08) würde dies eine monatliche Dieselrechnung (ohne Steuern!) von ca. 1.015 EUR/Lkw bedeuten. Die handelbaren Preise für zukünftige Termine, Dez. 2009 – Dez. 2010, geben die besten Schätzwerte für eine mögliche Entwicklung des Dieselpreises. Kurzgefasst: Preisniveaus, zu dem die Marktteilnehmer bereit sind, den Dieselpreis für einen in der Zukunft liegenden Liefertermin abzusichern. Wie funktioniert die Absicherung des Dieselpreises?

LaufzeitFälligkeitPreis (USD/MT)EUR/L
GASOIL DEC0825. Dez. 2008429,250,2746
GASOIL JAN0925. Jan. 2009440,250,2819
GASOIL FEB0925. Feb. 2009452,500,2900
GASOIL MAR0925. Mrz. 2009464,250,2977
GASOIL APR0925. Apr. 2009474,000,3041
GASOIL MAY0925. Mai. 2009484,000,3106
GASOIL JUN0925. Jun. 2009493,750,3171
GASOIL JUL0925. Jul. 2009505,000,3244
GASOIL AUG0925. Aug. 2009515,000,3310
GASOIL SEP0925. Sep. 2009523,750,3367
GASOIL OCT0925. Okt. 2009531,000,3414
GASOIL NOV0925. Nov. 2009536,750,3451
GASOIL DEC0925. Dez. 2009542,250,3487
GASOIL JAN1025. Jan. 2010552,250,3553
GASOIL FEB1025. Feb. 2010560,500,3607
GASOIL MAR1025. Mrz. 2010567,750,3655
GASOIL APR1025. Apr. 2010573,750,3695
GASOIL MAY1025. Mai. 2010578,000,3724
GASOIL JUN1025. Jun. 2010580,750,3743
GASOIL JUL1025. Jul. 2010587,500,3788
GASOIL AUG1025. Aug. 2010593,500,3828
GASOIL SEP1025. Sep. 2010598,250,3860
GASOIL OCT1025. Okt. 2010600,750,3878
GASOIL NOV1025. Nov. 2010603,500,3897
GASOIL DEC1025. Dez. 2010603,750,3900
GASOIL JAN1125. Jan. 2011607,250,3925
GASOIL FEB1125. Feb. 2011610,750,3949
GASOIL MAR1125. Mrz. 2011614,000,3972
GASOIL APR1125. Apr. 2011615,750,3985
GASOIL MAY1125. Mai. 2011617,750,4000
GASOIL JUN1125. Jun. 2011619,750,4015
GASOIL JUL1125. Jul. 2011622,500,4034
GASOIL AUG1125. Aug. 2011625,250,4054
GASOIL SEP1125. Sep. 2011628,250,4075
GASOIL OCT1125. Okt. 2011631,250,4097
GASOIL NOV1125. Nov. 2011633,000,4110

 

  1. Kosten der profitablen Förderung eines weiteren Liters Rohöl bzw. Diesel.
  2. Formel: EUR/L = [USD-Preis pro MT / EUR-USD Terminkurs]/1176
  3. Am Markt wird Diesel in der Ausgestaltung ULSD 10ppm ebenfalls gehandelt. Zwischen diesen Preisen und ICE Gasoil besteht eine sehr hohe Korrelation. Der Preisunterschied beträgt ca. 15-20USD per metrische Tonne. Wir benutzen für unsere Kalkulationen die Version ICE Gasoil.
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